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Die Büchse der Pandora ist explodiert

Auf was müssen wir uns gefasst machen? Die Lage in Fukushima scheint weit jenseits von übersichtlich zu sein. Der TELEGRAPH.co.uk titelt heute „Japan nuclear crisis: workers using newspaper and sawdust to block pipes“ – was soviel heisst, dass japanische ‚Strahlenarbeiter‘ quasi in ‚Shorts und Flip-Flops‘ nun Zeitungspapier und Sägemehl (!!!) in die Röhren und Risse stopfen um den Abfluss von Unmengen hochradioaktiven Wassers in den Pazifik zu verhindern. Auf der anderen Seite müssten sie es jedoch loswerden, da sie sonst ‚bis zum Hals‘ drinstehen und nicht ‚effizient‘ arbeiten können. Das klingt in etwa so, als hätten die Schildbürger ein Atomkraftwerk gebaut. Es ist nicht zu fassen, wie eine vermeintliche Hochtechnologie-Nation hier einen ‚Lacher‘ nach dem anderen abliefert, wäre die Sache nicht so grausam tragisch.

Jeder darf ein bisschen rumbasteln und -wursteln – obschon 11’500 Tonnen (heisst das ’normalerweise‘ nicht 11’500’000 Liter?) hochradioaktives Wasser in den Pazifik abgelassen werden müssten/musste; So genau weiss man das eben nicht. Auch die IAEA übt sich in sträflicher Unbedarftheit, während nun Private eigene Strahlungswerte-Sites ins Leben rufen, damit man überhaupt an einigermassen verlässliche Informationen zur aktuellen Bedrohungslage gelangt. Die Regierungen werden auch nicht müde zu betonen, dass dies alles für das Leben auf diesem Planeten absolut unbedenklich sei. Leider müssen sie dies immer und immer wieder betonen – und was sagt uns das?

‚Rien ne va plus‘ – das russische Roulette hat begonnen, derweil die verzweifelten Arbeiter – ganz offensichtlich ohne professionelles Management – einen strahlenden Bonus von umgerechnet EUR 3’500 pro Schicht für ihren lebensmüden Einsatz von TEPCO bekommen. Das ist wohl ein Witz; TEPCO müsste den (vermutlich) Hinterbliebenen bis ans Lebensende den Unterhalt bezahlen – das wäre eventuell beinahe ein ‚faires‘ Angebot. In der TEPCO-Zentrale scheint auch überhaupt nichts mehr zu funktionieren; Heute ist es so, morgen dann wieder nicht und dann doch wieder alles ganz anders. Die Mainstream-Medien (MSM) überschlagen sich vor lauter Widersprüchlichkeiten. Koordination und Glaubwürdigkeit? Zero. Auf allen Ebenen und in jeder Hinsicht.

Die MSM sind bereits – mehr oder weniger – wieder zum ‚Business as usual‘ zurück gekehrt und auch das Fähnchen der Atomenergie-Diskussion dreht wieder in die ursprüngliche Richtung – die ‚Stromlücke‘ lässt grüssen. In Chile ist eben bekannt geworden, dass die USA das Land noch kurz vor Obamas Einflug am 18. März dazu gedrängt hatten, eine ‚Vereinbarung‘ zur Errichtung neuer Atommeilern (in einem aktiven Erdbebengebiet) zu unterzeichnen – dafür gibt’s jetzt dort mächtig Zoff in der Politik. Die Atomlobby hat nicht aufgehört zu denken und wäre nach Hause gegangen – im Gegenteil; Die medientauglich ‚vorgeheulte‘ Besorgnis der seinerzeit bestürzten PolitikerInnen hat die Halbwertszeit (Beispiel: Teil 1 / Teil 2) bereits nach weniger als einem Monat überschritten und bald haben sich auch noch die Restsorgen vollständig verflüchtigt. Das ist schlicht und ergreifend idiotisch – wenn ich mir soviel Persönliches als Bemerkung erlauben darf.

Gemäss der Doku ‚Deadly Dust‘ liegen aus der Atomindustrie derzeit weltweit über eine Million Tonnen abgereichertes (Abfall)-Uran vor, das auch noch von vielen kommenden Generationen in Schach gehalten werden müsste – gratis ist das nicht. Atomenergie war, ist und wird niemals sauber und ‚deren‘ Abfall wird derzeit bereits wieder unter dem ‚Deckmäntelchen‘ der panzerbrechenden Uranmunition in Libyen entsorgt. Und keiner sagt was. Schon gar nicht unsere achso ‚glaubwürdigen‘ Medien.

Hier noch ein Hinweis auf die ‚wahren Kosten der Energie‘ – was wir heute kaufen ist also noch ganz lange nicht ‚bezahlt – für mich absolut nachvollziehbar. Der Rückbau eines stillgelegten Atomkraftwerkes dauert Jahrzehnte und kostet Abermilliarden.

Hoffen wir, dass die die ‚übrige Industrie‘ die Zeichen der Zeit erkennt und die nächste Smartphone-Generation mit einem integrierten Geigerzähler auf den Markt kommt – die Dinger können sonst ja auch alles…

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Diskussionen

Ein Gedanke zu “Die Büchse der Pandora ist explodiert

  1. Schöner Beitrag, der mir aus der Seele spricht. Was die Betreibergesellschaft mit ihren Hilfskräften macht, hat die Grenze zum Mord bereits überschritten. Die armen Kerle haben keine Stiefel, klettern also in Straßenschuhen in ihre Overals, die sie dann in kurzer Zeit durchgelaufen haben. Sie dürfen die unmittelbare Gefahrenzone nach Feierabend nicht verlassen, sondern schlafen mit Bleidecken auf dem stark strahlenden Kraftwerksgeländes. Die Schutzanzüge halten nur den Staub draußen, nicht aber die Beta, Gamma und Neutronenstrahlung. Die bisher so aufgenommene Dosis dürfte den Zeiraum eines ganzen Jahrhunderts mittlerweile großzügig überschreiten, da die Männer sich nach getaner Arbeit nicht in Sicherheit bringen dürfen. Zweimal täglich essen sie eine handvoll Cracker oder etwas Instant-Reis, haben maximal 3 Liter Wasser täglich zur Verfügung und leisten dabei nonstopp Schwerstarbeit. Die Tepco- Firmenleitung hat diese Menschen längst abgeschrieben, missbraucht sie allerdings noch bestmöglich als Roboterersatz. Dass Radioaktivität in Japan seit 1945 negativ konnotiert ist, hat die Betreibergesellschaften und die japanische Regierung nicht davon abgehalten, in diese mörderische Technologie zu investieren. Jetzt wird sich zeigen, ob die kleine Insel Japan diese hausgemachte Katastrophe überleben wird können. Doch Westerwelle und Sarkozy haben der japanischen Regierung bereits ihre Aufwartung gemacht, um sicher zu stellen, dass die Jungs auf Kurs bleibe, auf Atomkurs.

    Verfasst von Josch | 5. April 2011, 18:45

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