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Persönlich

In eigener Sache: Die Banken und das Leben

Das könnt Ihr mir ruhig glauben: Ich habe für sie alle in jungen Jahren gearbeitet: Chase Manhattan N.A., Citibank/Citicorp und Bank of America. Bei Letzterer allerdings nur vier Wochen – dann kündigte ich, weil wir die Kontoauszüge mit Durchschlägen per Schreibmaschine tippen mussten, da dieser Scheiss-Computer im Keller schon wieder das Handtuch geworfen hatte. Ich erinnere mich an eine Arbeitskollegin, die sich eben vertippte, die Hände seitlich einstützte und zur Schreibmaschine sagte „This is NO joke.“ Danach wurde ich zu den Japanern geheadhuntert und dort gefiel es mir vom Klima her noch recht gut (ich wusste noch nicht mal richtig was Japaner sind) – vor allen Dingen packte mich der Chef ins Taxi und wir fuhren damals noch zu GLOBUdata, wo ich mir meinen eigenen PC aussuchen konnte. Ich war ‚impressed‘. Und als ich eine Mikrowelle für den Pausenraum und alle wollte, bekamen wir sie postwendend.

Aber auch dort ’spürte ich es bereits im Urin‘, dass dies nicht meine Welt werden würde; Langweilige, stundenlange Essen im ‚Baur au Lac‘, im Zunfthaus zur Meissen, im Savoy und die ständige Teilnahme an öden Veranstaltungen z.B. zur Kapitalerhöhung des Modekonzerns ESCADA, dessen Besitzers Ehefrau eben verstorben war. Mio dio. Mein Chef meinte immer „Go and make friends in the market“, er begleitete mich auch hin und wieder um mich den anderen wichtigen Leuten als aufstrebendes Talent vorzustellen. Als ich eines Tages wieder einmal sauber ‚geschalt‘ im Zunfthaus sass und auf den 2. der fünf Gänge wartete (mindestens drei Stunden dauerten solche Prozeduren normalerweise) begann neben mir eine ‚Tante‘ mich unablässig vollzuquatschen. Mhm. Aha. Soso. Jaja. OK. Und als das extrem kunstvoll arrangierte Dessert gereicht wurde und sie immer noch quasselte wie ein Wasserfall, war es soweit; Ich dachte mir, das kann’s einfach nicht sein. Ich mag diese Leute nicht. Und diese ständige ‚Verkleidung‘ ist mir grad auch zuwider. Abartig das Ganze.

Erst viel später deutete ich meinen Wunsch an, auch hier auszuscheiden, da ich darin einfach das Glück nicht sehen konnte – aber erst einmal der Reihe nach. Die Japaner sind zwar netter als die Amerikaner, aber sie haben auch eine Schramme. Als Schweizer kommt man so um acht ins Büro und sie sind schon alle da. Die Japaner. Man geht um fünf nach Hause und sie sind immer noch alle da – das wunderte mich. So fragte ich nach einigen Tagen, was das soll und wurde eingeweiht. In Japan ‚gilt die Regel‘, dass alle vor dem Boss dazusein haben und erst abrauschen dürfen/sollten, nachdem er bereits gegangen war. Meine Güte – eine solche Ergebenheit war mir echt fremd. Und wenn japanischer Besuch kam, rannte die die Sekretärin mit jeder Menge Kohle los um ganz viele nicht allzu billige Geschenke zu kaufen, die dann wiederum mit nicht allzu billigen Geschenken der Besucher ausgetauscht wurden. Das gehört sich so. Und verneigen muss man sich; Der weniger Wichtige muss sich tiefer verneigen als der Wichtigere – d.h. man muss beim Verneigen ständig rüberschielen, wie weit das Gegenüber ‚abtaucht‘, wenn man vorher nicht gebrieft wurde – sehr anstrengend.

Danach landen die Geschenke im Schrank. Und dieser Schrank hatte es in sich – so öffnete ich ihn eines Tages und fragte, was mit all dem Zeugs nun geschehen soll? Nichts, meinten die Japaner, das seien alles Geschenke. Wie aufschlussreich. So fragte ich frech, ob ich die elektronische Schreibmaschine und das Beschriftungsgerät haben könne – kein Problem. Einen Tag später holte ich mir noch Diktaphon und einen Edelfüller – meine ‚Einsack-Aktion‘ wurde abgenickt. Dass da früher noch keiner drauf gekommen war. Aber ich sollte es niemandem sagen – Ehrensache, sonst wäre der Schrank eben gleich leergeräumt – vor allen Dingen, wenn es nicht nur Japaner im Unternehmen hat. Letztere  fassen das Zeug nämlich nicht an. Die Ware wurde nur alt und nicht gebraucht. Mein erstes Fragezeichen.

Später als mir die japanischen Management-Formen einige Stirnfalten bereiteten, begann ich wieder über meinen Job nachzudenken: Wir hatten zuviel Liquidität im Haus und ich sollte das Geld für einige Tage deponieren (Termingeld) um wenigsten etwas Zinsen dafür zu bekommen. Ich rief – wie geheissen – in London an und bat um die Quote – der Händler sagte mir, er könne es grad‘ nicht brauchen, aber einige Tage später vielleicht. Das übermittelte ich meinem Chef. Er wollte wissen, wieso der Partner in London es nicht brauchen konnte und ich sagte, ich wüsste es nicht. Er meinte, ich solle nachfragen, wieso er es nicht brauchen könne und da ich das für blöd hielt sagte ich ihm, dass er wohl schon genug hätte – das war ja anzunehmen. Er meinte ich solle ihn anrufen und fragen. Widerwillig rief ich an und das Gegenüber sagte mir, dass er schon genug hätte. Mein Chef wollte dann, dass ich das dritte mal anrufe um nochmals zu fragen – das verweigerte ich und das war offenbar ganz und gar unjapanisch. Er bestand darauf, worauf ich ihm das Dossier hinknallte und meinte, er solle doch selber anrufen. Und das war dann noch unjapanischer und er ‚köchelte‘ leicht – was mir jedoch vollständig egal war. Somit rief er an und bekam genau die gleiche Antwort – was bei mir nur subtiles Kopfschütteln auslöste. Dies Art von Befehlsverweigerung ist Japanern uneigen wie ich später immer wieder feststellen musste und es wurde mir langweilig. Trotzdem sind mir die Japaner bis heute doch irgendwo syphatisch geblieben – keine Ahnung wieso genau.

Ich beschloss also dann auch dort eines Tages ‚Bank ade‘ und wechselte in eine neue Herausforderung – die IT-Branche, wo ich mich wohl fühlte; Ich bekam mein eigenes Büro und konnte tun und lassen, was ich wollte, da ich der einzige war, der Bescheid wusste. Das kam gut. Und die IT bereitet mir auch heute noch Freude, obschon seither ziemlich viel passiert ist und ich einige ‚Hasenschläge‘ hinter mir habe, welche jedoch mein Allgemeinwissen in wertvoller Weise erweiterten.

Während meiner Aufenthalte in steril designten Bankräumlichkeiten ist mir ziemlich viel aufgefallen. So wusste ich, dass Geld allein nicht glücklich macht und diese ‚Welt‘ völlig synthetisch organisiert ist – Zahlen und Berechnungsmuster allenthalben – das hat nichts mehr mit den Blümchen zu tun, die draussen organisch wachsen und so ist es heute noch.

Die Banker in ihren gekühlten Glas-/Stahlpalästen oder anderen schicken Villen, vollgestopft mit allermodernster Elektronik und jeglichem Komfort haben den Bezug zum wahren Leben längst verloren. Menschen und das Leben als Solches sind nur Zahlen und immer höhere Zahlen sind der ‚Kick‘. Mehr Geld, mehr Ruhm, mehr Macht, ‚bessere‘ Freunde, höheres Ansehen – quasi die AmexBlack des Soziallebens, das nicht mehr ‚draussen‘ statt findet und jeglichen Bezug zur Realität verloren hat. Heute verstehe ich, wieso diese ’synthetischen Leute‘, den Bezug zum wirklichen Leben verloren haben – sie denken nicht nach. Und ich weiss, dass ich bereits in jungen Jahren gespürt hatte, was die richtige Entscheidung für mein Leben sein muss: Zurück zur Natur und zur Natürlichkeit.

Geld ist wie eine Droge, die am Ende nie glücklich macht, sondern die übelste Scheisse heraufbeschwört die man sich nicht einmal in seinen kühnsten Träumen erträumen kann. ‚Uncle Sam‘ (aber nicht nur der) steht heute genau an diesem Punkt; eine noch geilere Hütte, ein noch schnellerer Schlitten und eine noch schärfere Freundin. Was kostet die Welt? Ob erwähnte Freundin dann am Ende auch noch den ultimativ exorbitanten Sex abliefert, wage ich ernsthaft zu bezweifeln – Hauptsache sie sitzt gut sichtbar im BMW-Cabrio daneben. Synthetisch halt – wie die ‚Frauen von Stepford‘; CARTIER-Ührchen, GUCCI-Brille, PRADA-Täschchen und dem IQ einer Scheibe Brot. Hauptsache alles glänzt.

Vielmehr befürchte ich heute, dass diese Leute selbst in das von ihnen geschaffene, schwarze Loch fallen, sollte es sich denn bald auftun. Und genau danach sieht es aus – quasi das ‚letzte Brüllen des Spekulationslöwen‘ bevor die Sintflut ihn wegschwemmt. Oder sich die Erde unter seinen Füssen auftut. Dies würde ich mir wünschen, denn sonst bleibt noch genug Energie, um in verzweifelter Manier um sich zu schlagen, zu greifen und Andere, Unschuldige mit sich in den Abgrund zu reissen.

Langsam nähert sich meine Vermutung der Überzeugung, dass die Tage solchen Tuns nun langsam gezählt sind und ich bin froh, auf der ‚anderen Seite‘ zu stehen. Zumindest hoffe ich das. Ich wünsche mir ‚ein bisschen Frieden‘ für alle – nicht in ‚Missen-Manier‘ – aber mit einer spürbaren Entstressung einher gehend. Das Leben muss lebenswert sein – das Gute liegt so nah und im Grunde braucht es nur die richtige Einstellung um glücklich zu sein. Befreien wir uns also von sämtlichen Zwängen.

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Diskussionen

2 Gedanken zu “In eigener Sache: Die Banken und das Leben

  1. wundervoll,das ist autentisch,wir suchen helle ,autentische personen worldwide.
    bravo
    wir haben dich abboniert.
    wir sind aus münchen
    gruss jo von aurafreunde

    ps.dieser satz.das leben muss lebenswert sein–kommt in unser archiv wahrheit

    Verfasst von aurajo | 23. September 2011, 10:08

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